Fortuna Postelwitz

Fortuna Postelwitz

Postelwitz

Die Geschichte von Postelwitz

Seit 1934 ist Postelwitz ein Ortsteil von Bad Schandau. Wie der Name, seine Flur und Lage vermuten lassen, ist Postelwitz aus einer slawischen Fischersiedlung hervorgegangen. Die slawische Siedlung soll an der Ausmündung des Wolfsgrabens gelegen haben, der ursprünglich "Wullst Graben" hieß. Durch Aneinanderreihen der Häuser längs des Stromes, ohne Rücksicht auf die Gefahren durch Hochwasser oder Eisgang, entstand im Lauf der Jahrhunderte eine Häuserzeile von mindestens 1 1/2 km Länge.

Die aus Urkunden des 15. Jahrhunderts überlieferten Ortsnamen weisen vielleicht auf ein slawisches Dorfoberhaupt, vermutlich Boguslav, hin. Postelwitz hieß 1446 "Boßlawicz", 1451 "Bosselwicz", 1452 "Biotzlewiks", 1468 "Boslanbicz" und 1488 "Boßtilwitz". Im 15. Jahrhundert zählte Postelwitz nur fünf, im 16. Jahrhundert neun Ansässige. Damals hieß es, es seien "arme Gärtner und Fischer alldo, und kein Hufen noch Ruten, alleine Häuslein. Erst im 17. Jahrhundert wuchs die Zahl der Einwohner auf 40. Wirtschaftlichen Aufschwung erbrachte die Erschließung der Steinbrüche.

Neben dem benachbarten Schandau war Postelwitz einst Umschlagplatz. Hier wurden die auf der Elbe aus dem Innern Böhmens ankommenden Güter, in der Hauptsache Getreide, Wein, Malz und Bier, ausgeladen und auf dem Landwege weitergeführt. Der Güterverkehr von Postelwitz nach dem Wildenstein muß besonders umfangreich gewesen sein, als Postelwitz zur Herrschaft Wildenstein gehörte (1410 - 1451), denn zahlreiche Orte des Sebnitzer Hinterlandes waren verpflichtet, einen oder mehrere "Eibwagen" zu stellen, das heißt, Fronfuhren nach und von der Elbe zu leisten. Die Postelwitzer hatten einen Kahn mit einer Ladung von 600 - 800 Scheffeln zu führen "eynen freyen kan czu füren 6 adir 8 hundirt scheffel czu czustossen czu Bosslowicz".

Als das rechtselbische Gebiet in kursächsischen Besitz überging, drängte die Stadt Pirna, die auf die obersächsischen Umschlagplätze schon lange neidisch war und auf eigene alte Stapelgerechtigkeit pochte, darauf, daß in Schandau und in Postelwitz keine Kähne mehr ausgeladen werden durften. Ausnahme bildeten lediglidt zwei Kähne mit 150 Scheffel Getreide für die Versorgung Hohn-und Wildensteins.

Ein Gang durch Postelwitz zeigt noch heute manche bauliche Kostbarkeit. Mit ihren neuzeitlichen Verandabauten wirken die vielen Fachwerkhäuser mit den malerischen Andreaskreuzen recht einladend. Überall begegnen wir Blockhäusern mit und ohne Umgebinde. Bei den sogenannten Ganghäusern (Nr. 16 und 38) ist zur Raumgewinnung das, erste Stockwerk weit vorgebaut, und das tief herabgezogene Dach überdeckt diese Obergeschoßlauben. Sieben mit dem Giebel zur Straße gerichtete, dicht aneinandergereihte Häuschen (Nr. 40-46) sind als die "Sieben Brüder" bekannt. Nach der Volksüberlieferung hat sie ein Postelwitzer im 17. Jahrhundert seinen sieben Söhnen bauen lassen.

Bei den Häusern 42 und 44 findet man über der Haustür die Jahreszahlen 1635 und 1668. Zu ihnen gehört das "Vaterhaus", ein hochgiebliges Fachwerkhaus (Nr. 47). Wasserstandsmarken an mehreren Gebäuden der Dorfstraße zeugen zudem vom Kampf mit den Gefahren des Stromes, von Hochwasser und Eisgang. Immer wieder tauchen dabei die Jahre 1784,1786, 1845 und 1890 auf. Am Hause Nr. 34 sind es allein 12 Hochwassermarken.

An den Betrieb einer Ankerschmiede erinnert heute ein auf einem Sockel stehender Anker. Das Hammerwerk Ankerjunghanns war die letzte Ankerschmiede an der Elbe und versorgte mit ihren Erzeugnissen nicht nur Elbschiffe, sondern auch solche auf Rhein und Donau. Zwei Betriebe sind es, die eng beieinander zu finden sind: "Raumkunst Bad Schandau" und die "Schiffswerft Bad Schandau". Im Gelände der Schiffswerft besteht fast immer die Möglichkeit, aufgebockte Zillen und Kähne durch Größenmerkmale, Bau- und Unterscheidungsmerkmale zu studieren.

Die Postelwitzer Steinbrüche - ein Bericht uns dem Jahre 1883

Es sind jetzt 22 Brüche in Betrieb. Sie heißen Postelwitzer Brücke, weil sie ehemals auf Postelwitzer Flur gelegen haben. Nachdem aber das Vorland, schmale Wiesen, wie wir sie weiter oben, nach Schmilka zu, noch heute finden, durch immer größer werdende Steinhalden verschüttet worden ist, hat es der Staat, dem der dahinterliegende Stein gehört, Vollends in Besitz genommen und erstattet gegen Erlegung eines Bergzinses den regelmäßigen Abbau der Felsen.

Verschiedene Steinhändler sind es, die hier brechen lassen, vorzüglich ist es aber eine Firma, die hier genannt werden muß, die Firma Fröde und Pieschel, wohnhaft in Schmilka. Die Arbeiter sind meist Postelwitzer, Schmilkaer, Ostrauer, Reinhardtsdorfer und Schönaer Einwohner, doch sind die Tagelöhner in vielen Fällen Böhmen und zwar aus Herrnskretschen und Johnsdorf. Es beläuft sich deren Zahl mitunter bis auf 100.

Die Tagelöhner sind zu unterscheiden vom eigentlichen Steinbrecher, der "hohl macht", die Wand fällt und der gewonnene Stein wird zu Grundstücken, Stufen, Tafeln, Quadern und großen Blöcken verarbeitet. Die großen Stücke, bis zu 500 Zentner Gewicht nennt man Hamburger Ware, weil sie in den meisten Fällen nach Hamburg geht. Das Fällen der Wand erfordert längere Vorbereitung durch das sogenannte Hohlmachen, eine gefährliche und gesundheitsschädliche Arbeit. Bis 12 Meter weit hinein in den Stein wagt sich der Steinbrecher, um die überhängende Last endlich aus dem Gleichgewicht zu bringen, und arbeitet darin auf dem Rücken liegend, knieend, kauernd. Der Stein ist kalt und mit Erkältung der Beine beginnt gewöhnlich die sogenannte "Steinbrecherkrankheit". Der Tagelöhner hat weit weniger gefahrvolle Arbeit. Er schafft den Schutt zur Halde, ladet die Steine ein und "räumt", wie man zu sagen pflegt.

In den Brüchen ist insofern in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Veränderung vorgegangen, als nämlich die Steine nicht mehr unten am Eibstrande bearbeitet werden, sondern oben auf der Halde. Veranlassung dazu war der Bergsturz zu Wehlen am 25.7.1877, wobei eine Wand so unglücklich fiel, daß sie den Verkehr auf der Elbe vollständig lahmlegte. Um derartigen Vorkommnissen zu begegnen, ist nun angeordnet, daß die Wand so hohl gemacht werden muß, daß sie nur auf die Seite, auf das Vorland oben auf der Halde fallen darf, aber nicht mehr nach vorn, direkt auf die Elbe stürzen. Das soll nicht mehr vorkommen. Die Brüche werden kassiert, in denen derartiges in Aussicht steht. Daß trotzdem noch ein Stein in die Elbe geht, liegt auf der Hand, doch ist eine Besserung hierin entschieden eingetreten.

Was nun das unerwartete Fällen der Wand betrifft, so sei an die wunderbare Errettung der 24 verschütteten Steinbrecher am 25. Januar 1862 erinnert, die aus ihrem Felsengrab herausgebracht wurden. Solche Vorkommnisse weisen die Annalen der Brüche, die bis ins 15. Jahrhundert zurückgehen, mehrere auf, jedoch ist die Zahl derer, die man schwerverwundet oder tot nach Hause brachte, ziemlich groß. Hier hat sich schon mancher den Tod geholt, auf der Stelle oder nach langem Siechtum, hervorgerufen durch Verwundung oder Krankheit. Eigentümlich ist der landläufige Ausdruck für Verunglückung. Man sagt: "Er hat Schaden gemacht". Die Ware nun, die man oben, unmittelbar an der Wand fertig gemacht hat, wird nun "heruntergehuscht", d.h. man legt sie auf zwei aneinander befestigte Hölzer, Schlitten genannt, und läßt die Fuhre auf einer hölzernen Bahn hinuntersausen. Ein Erdwal! hält das Fuhrwerk auf.

Der Postelwitzer Stein ist sehr gesucht. Es haben sich zwar viele andere Brüche aufgetan, aber sein alter Ruf hat sich bewährt. So finden wir, namentlich in der Mitte der Brüche, einen sogenannten "Guten Bier", eine weiße Bank, deren Stein sich zu Bildhauerarbeiten eignet, ebenso wie der Cottaer. Aus dieser Bank stammen die Schillingschen Figuren auf der Brühischen Terrasse. Die Figuren und Ornamente am neuen Postgebäude sind Postelwitzer Stein. Die Augustusbrücke, die Katholische Kirche, die Kreuz- und Frauenkirche sind sämtliche aus diesem Stein hergestellt. Der Verwitterungsprozeß geht bei diesem Steine außerordentlich langsam vor sich. Deshalb erfreut er sich auch im Auslande eines soliden Rufes und viel Postelwitzer Stein ist in Hamburg, Magdeburg, Berlin, Stettin usw. verbaut worden. Als der Verkehr auf der Eisenbahn noch nicht so entwickelt war wie jetzt, schafften Schiffer aus unseren Dörfern den Stein auf ihren Kähnen bis Stettin, heute noch nach Hamburg und Berlin.

Rettung aus dem Felsengrab

Wo der Wildschützensteig innerhalb der Schrammsteine ins Elbtal führt, lag ein Steinbruch, vom Volksmund "Zum guten Bier" genannt. Fünf Jahre lang hatte man dort an einer außerordentlich großen Wand gearbeitet, die in einer Länge von 120 m und einer Höhe von 40 m fallen sollte.

Es gab keinerlei Anzeichen, daß sie bald herunterbrechen würde, und man war dabei, das "Hohlmachen" des großen Felsstückes für den Winter einzustellen. Zum Schutz vor Talwinden und dem Geröll, den sogenannten Horzeln, hatten die Arbeiter unter einer überhängenden Wand eine Schutzhütte errichtet. Am 25. Januar 1862 wärmten sich dort die Arbeiter zur Frühstückspause. Vater Linke, der Älteste unter ihnen, erzählte aus seinen Lebenserfahrungen. Dann trat der Signalist vor die Felswand und blies "Pause zu Ende wieder an die Arbeit". Da schwindelte ihn, alles um ihn bewegte sich, Felsen und Bäume neigten sich, ein gewaltiger Luftdruck, von ohrenbetäubendem Tosen begleitet, warf ihn nieder. Schreckerfüllt schrie er: "Kinder, ein Erdbeben!"

Wider Erwarten hatte sich die große Felswand gelöst und stürzte krachend zusammen. Plötzlich war es dunkle Nacht, nur dann und wann noch ein dumpfes Rumpeln und Schieben im Gestein. Die 24 Arbeiter waren lebendig begraben. Aber die 7 m dicke Steinplatte über ihnen hatte ihnen das Leben gerettet. Jedoch war nur ein Krug und etwas Speck geblieben. Würden die Männer bei lebendigem Leibe verhungern müssen? Vater Linke sollte alles brocken- und schluckweise verteilen.

Draußen im Elbtal lief die Schreckensnachricht mit Blitzesschnelle in die Heimatorte der Verschütteten. Alles strömte zur Unglücksstelle und es gab nur den einen Gedanken, zu retten, koste es was es wolle. Bruchmeister Richter und fünf unerschrockene Männer erkletterten trotz bröckelnden Gesteins und nachfolgenden Gerölls auf den Trümmerberg. Der Sohn des alten Linke fand einen Spalt, von dem aus man das Rettungswerk beginnen konnte. Nach 20 Stunden schwerster Arbeit waren die Männer so erschöpft, daß nichts mehr gehen wollte. Es gab ja doch keinen Zugang zu den Verschütteten. Sie wollten aufgeben, nur der junge Linke zögerte noch. Sollte alles umsonst gewesen sein? "Da ist Rauch" rief er plötzlich, "sie sind nicht alle tot!" Verschwunden war die Müdigkeit. Die glühenden Hände meißelten weiter, Zentimeter um Zentimeter. Nun waren sie schon 40 m tief gekrochen. Schließlich gelang die Verständigung mit den Eingeschlossenen. Nach 58 Stunden konnten alle 24 geborgen werden. Keinem war ein Haar gekrümmt! Da stimmten Hunderte vor dem Trümmerberg ein Danklied an: "Nun danket alle Gott".

Lied vom Elbedörfchen Postelwitz
Text: Elfriede Viehrig     Musik: Rudi Drescher

1. Strophe:
Ganz an die Felswand gedrückt weiß ich ein Stückchen Land. Das wurde schon in alter Zeit das Postelwitz genannt.

2. Strophe:
Recht bunt und farbenfreudig steht ganz dicht hier Haus an Haus Wie eine bunte Perlenschnur sieht es von weiten aus.

3. Strophe:
Und geht der Tag zur Neige dann die Sonne golden glüht, dann hörst du hier am Strande leis der Elbe Wellenlied.

Refrain:
Wir lieben unsre Heimat sehr. - Die Wälder, den Fluß und die Höhn. Wir ham das Herz auf dem rechten Fleck, - Man muß uns nur versteh'n. So fest wie uns're Felsen sind, - So fest sind uns're Herzen ; Elbedörfchen Postelwitz, wir haben dich so gern.

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